Weihnachten in Schweden

Was viele Deutsche von der Weihnacht in Schweden wissen, stammt womöglich aus der Fernsehwerbung eines schwedischen Einrichtungshauses. Das Julfest ist allerdings keine Erfindung des gelb-blauen Unternehmens aus dem Norden, sondern die schwedische Bezeichnung für Weihnachten. Für das Königreich Schweden ist es das wohl wichtigste Fest des Jahres, schon Ende November laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Für Weihnachtsliebhaber dürfte Schweden dem Paradies gleichkommen. Und wir sagen euch warum!

Schwedischer Advent: Durchgehend Weihnachtsstimmung

Ähnlich wie in anderen Ländern beginnt mit dem ersten Advent die Vorweihnachtszeit in Schweden. Von Malmö über Stockholm bis hoch in den Norden bedeutet das den Startschuss für die Weihnachtsmärkte, groß angelegte Dekorationen und damit Weihnachtsstimmung im ganzen Land! Wer das erste Mal Weihnachten in Schweden miterlebt, wird sich vermutlich fragen „Warum stehen hier überall diese Strohziegen herum?“. Die in vielen schwedischen Städten aufgestellten Ziegenböcke aus Stroh sind quasi das Symbol der Weihnachtszeit. Der sogenannte Julbock stammt aus der nordischen Mythologie und gehört zur Festzeit dazu.

Zur Einstimmung auf die bevorstehende Weihnachtszeit findet Anfang Dezember das Open-Air-Konzert „O, Helga Natt“ in Örebro statt. Das große Weihnachtskonzert, das übersetzt „Oh, heilige Nacht“ bedeutet, versammelt tausende Menschen und einheimische Künstler, die besinnliche und stimmungsvolle Weihnachtslieder zum Besten geben. Das nächste große Highlight findet am 13. Dezember statt: das Luciafest. Unser alter Freund, der Nikolaus, ist nur bei den Katholiken bekannt, die gerade mal etwas mehr als 30 Prozent der religiösen Bevölkerung ausmachen. Der 6. Dezember ist in Schweden also weitestgehend eine Randnotiz und das Luciafest damit das erste große Event im Weihnachtskalender, dem viele Schweden flächendeckend mit großer Vorfreude entgegenfiebern.

Das Luciafest in Schweden: Jahrhunderte alte Tradition

Benannt nach Lucia von Syrakus, ist das Luciafest ein Gedenktag für die frühchristliche Jungfrau und Märtyrin. Bereits seit dem 18. Jahrhundert gibt es das Fest, vor 1752 fiel es dabei noch auf die Wintersonnenwende. Woher genau das Luciafest stammt, ist derweil schwer zu sagen. Bräuche wie das Tragen weißer Gewänder und Kerzen sowie der Verzehr eines traditionellen Safrangebäcks („lussekatter“) erinnern an die Wurzeln und in vielen Familien ist es auch heute noch Brauch, die älteste Tochter als Luciabraut zu verkleiden. Eine Tradition, die vor allem in die Kindergärten und Grundschulen getragen wird. Ein wenig erinnert das an den Martinstag: Mit brennenden Kerzen ziehen Scharen umher, folgen der im Ort erwählten Lucia im weißen Gewand und singen im Chor traditionelle Lucialieder. Zur Gefolgschaft gehören Kerzen tragende Mädchen („tärnor“), Sternenknaben („stjärngossar“) sowie als Pfefferkuchenmännchen („ pepparkaksgubbar“) oder Wichtel („tomtar“) verkleidete Jungen. Zum Abschluss serviert Lucia traditionelles Safranbrot, das sogenannte Lussekatter, aber auch Pfefferkuchen und Glögg, den schwedischen Glühwein.

Heiligabend in Schweden: Familienzeit mit Koboldbesuch

Vor dem Höhepunkt beginnen die Familien am Vorabend zunächst mit den Vorbereitungen. An erster Stelle steht der Weihnachtsbaum, der seit dem 19. Jahrhundert auch in Schweden fest dazugehört. Abgesehen von Girlanden, die oft in den Nationalfarben des Landes gestaltet sind, gibt es kaum Unterschiede zum Christbaum in Deutschland: Christbaumkugeln, Lichterketten, Strohsterne, Lametta und Co. zieren den Baum. An der Spitze sitzt oft ein funkelnder Stern. Viele Kinder sind währenddessen bereits im Bett und freuen sich auf das Fest, wenn sie die Augen am nächsten Morgen wieder öffnen.

Der 24. Dezember dreht sich dann zunächst um Besuche bei Familie, Freunden und Bekannten. Am Nachmittag versammeln sich viele Familien mit ihren Kindern dann vor dem Fernseher. Anschließend folgt ein wichtiges Ritual für die Kinder: Damit die Geschenke auch unversehrt bei ihnen ankommen, stellen sie Schüsseln mit süßem Milchbrei vor die Tür oder auf die Fensterbank. Das soll die geschenkebringenden Weihnachtswichtel versöhnlich stimmen, sodass sie keinen Unfug treiben. Richtig, nicht der skandinavische Weihnachtsmann bringt die Gaben, sondern kleine Kobolde. Die drei Weihnachtskobolde Tomte, Tomtebisse und Nisse bringen den Kindern die Geschenke. Ein paar Ähnlichkeiten zu westlichen Geschenkebringern gibt es: Vollständig gekleidet in rot, kommen die drei Wichtel auf einem Rentierschlitten voller Geschenke. Haben die Wichtelchen die Geschenke gebracht, gönnen sie sich den Milchbrei, während die Kinder die Präsente auspacken.

Schwedisches Weihnachtsessen:

Köttbullar und andere skandinavische Spezialitäten


Aber was gibt‘s zur schwedischen Weihnacht eigentlich zu essen? Die Festtafel ist meist üppig bestückt: Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, aber auch Salate und Gemüse sind allesamt feste Bestandteile eines klassischen Weihnachtsessens in Schweden. Stockfisch (Lutfisk), Schweinesülze, Kartoffelgratin mit Sardellen (Jansons Frestelse) und auch die hierzulande bestens bekannten Köttbullar sind nur einige Beispiele. Highlights in vielen Familien sind die traditionelle Weihnachtswurst Julkorv und der Weihnachtsschinken Julskinka. Nachtisch darf nicht fehlen, das ist klar: Eis und Kuchen sind Standard nach dem festlichen Mahl. Für die Erwachsenen steht auch immer eine Flasche Glögg bereit, der gehört zum Fest ebenfalls fest dazu. Von der alkoholfreien Variante dürfen natürlich auch die Kinder kosten.

Zu unseren Rezepten

Frohe Weihnachten auf Schwedisch:

  God jul!

Weihnachten in Schweden auf einen Blick:

 

Wichtiger Bestandteil der Vorweihnachtszeit ist das Luciafest

Bescherung ist am 24. Dezember

Die Geschenke werden von kleinen Kobolden gebracht

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