Adventskalender

Wenn nicht pünktlich am 1. Dezember der Adventskalender an der Tür des Kinderzimmers hängt, dann hängt dafür meist der Haussegen – aber schief! Für Kinder ist der Adventskalender eben wichtig. Voller Vorfreude auf das Fest öffnen sich mit gleicher Freude Tag für Tag die Türchen des Kalenders, um damit Heiligabend entgegenzufiebern. Aber woher kommt der Weihnachtsbrauch und was macht einen Adventskalender aus?

Ursprung und Bedeutung des Adventskalenders

Irgendwann im 19. Jahrhundert entstand der Adventskalender. Wer genau ihn erfand, das weiß man nicht. Viele verschiedene Vorläufer hat es gegeben. Natürlich hat er seinen Ursprung in der christlichen Gemeinde. Schließlich ist es ein Kalender speziell für den Advent (adventus = Ankunft, im Bezug auf die Geburt Jesu Christi). In der katholischen Kirche war es damals noch üblich, tägliche Adventsandachten in der Kirche abzuhalten. Evangelische Familien hingegen pflegten stattdessen Rituale in den eigenen vier Wänden, etwa gemeinsames Vorlesen von Bibelversen, Singen christlicher Lieder und natürlich dazu passendes Gebet. Deshalb sagt man die Ursprünge des Adventskalender aus protestantischen Familien zu, die ihren Kindern damit die Adventszeit greifbarer zu machen.

Dahingegen herrschte in katholischen Familien der Brauch, jeden Tag bis Heiligabend einen Strohhalm in eine Krippe zu legen. Ein anderer Brauch wirkt vermutlich vertrauter: Eine Adventskerze (statt der heutigen vier) wurde mit Markierungen versehen und jeden Tag angezündet, um sie bis zur nächsten Markierung  abbrennen zu lassen. Einer der ersten Erwähnungen des Adventskalenders findet sich in Thomas Manns Roman „Buddenbrooks“ von 1901 einen Adventskalender aus dem Jahre 1869. Damals scheint er also bereits populär in der Weihnachtszeit gewesen zu sein. Vermutlich aber wurden die weihnachtlichen Kalender damals alle noch selbstgebastelt. Ähnlich wie die sogenannte Weihnachtsuhr, bestehend aus Papierdrehscheiben, mit denen die verbleibenden Tage bist zum Fest heruntergezählt wurden. Die gilt sogar als erste, gedruckte und damit kommerzieller Form eines Adventskalenders.

Wann erschien der erste Adventskalender?


Im Jahre 1902 veröffentlichte die Evangelische Buchhandlung Friedrich Tümpler den ersten Adventskalender in Form einer Weihnachtsuhr in Hamburg. Darauf folgen in den kommenden Jahren andere Variationen und die 1920er-Jahre galten bis dato als die Hochzeit der Kalender. In dieser Zeit entstanden auch Adventskalender mit Türchen, die geöffnet werden konnten. Zunächst verbargen sich dahinter noch Bilder, Bibelverse, Geschichten und Gedichte und schließlich Gebäck. Zu verdanken ist dies vor allem der lithografischen Anstalt von Reichhold & Lang in München. Darauf folgte, wie wir alle wissen: Schokolade.

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Adventskalender heute: Mediales Marketing-Instrument

Im heutigen Digitalzeitalter geht es beim Adventskalender weniger um Schokolade – es sei denn, die Schokolade wird verlost: Adventskalender sind zu einer festen Marketinggröße für Unternehmen geworden. Nicht nur, um Aufmerksamkeit für die Marke zu generieren. Natürlich auch, um den Kunden und treuen Fans eine Freude zu bereiten. Verlost werden alle möglichen Produkte und Artikel. Von Pflegeprodukten und Merchandise über Mitgliedschaften oder Abonnements für verschiedene Dienste bis hin zu Großgeräten, sogar ganzen Autos.

Moderne Adventskalender sind also häufig virtuell. Wahlweise handelt es sich um eigens programmierte Kalender zum Türchenklicken oder um simple Gewinnspiele durch Teilnahme via Kommentar in sozialen Netzwerken. Eine komplett andere Form des Adventskalenders ist der „umgedrehte Adventskalender“. Ein Trend, der erst in den vergangenen Jahren immer mehr an Zuspruch gewinnt: Karitative Einrichtungen bitten damit jeden Tag im Advent um eine kleine Spende – das muss kein Geld, sondern kann auch die Gabe von Lebensmitteln, Kleidung oder Ähnlichen Gebrauchsgegenständen sein.

Adventskalender in allen Formen und Farben

Adventskalender gibt es also in vielen verschiedenen Formen und Farben. Einer der bekanntesten ist sicherlich der Gengenbacher Adventskalender: Seit mehr als zwanzig Jahren schmückt die Stadt Gengenbach in Baden-Württemberg das Rathaus wie einen Adventskalender. Das heißt: Die 24 Fenster werden aufwendig verziert, von international bekannten Künstlern und Kinderbuchillustratoren. Darunter Marc Chagall, Tomi Ungerer und Otmar Alt. Zu den Motiven zählen beispielsweise Figuren wie Jim Knopf und Räuber Hotzenplotz. Nach und nach werden die 24 Fenster geöffnet, um vor tausenden Schaulustigen Tag für Tag die Motive zu enthüllen.

Nach wie vor ist es dennoch in vielen Familien Brauch, einen eigenen Adventskalender zu basteln. Seien es kleine Jutesäcke über dem Kamin, bemalte Einmachgläser gefüllt mit kleinen Geschenken oder einfach verzierte Papiertüten, in denen sich Kleinigkeiten befinden. Wer seinem oder seiner Liebsten nur eine kleine Aufmerksamkeit schenken und die Freude alter Tage zurückbringen möchte, hinterlässt am Morgen vielleicht kleine Zettelchen mit lieben Worten. Der Kreativität beim Adventskalender basteln sind keine Grenzen gesetzt.